Waldbrände in Indonesien: Unterstützung für Kleinbauern und Wälder in Zentralkalimantan

Seit April hält die Trockenheit in Teilen Indonesiens an. Auf Sumatra, Kalimantan und Papua verschärfen sich dadurch Dürren und Waldbrände. Die Böden trocknen aus, Wasserquellen werden knapp und immer mehr Flächen sind von Feuer bedroht. Die Folgen reichen weit über die verbrannten Wälder hinaus. Der Rauch gefährdet die Gesundheit, während Wassermangel und drohende Ernteausfälle die Lebensgrundlagen vieler Kleinbäuerinnen und Kleinbauern bedrohen.
Gemeinsam mit unserer Partnerorganisation Good Forest Indonesia (GFI) erleben wir, wie stark die Trockenheit und die Waldbrände die Arbeit vor Ort beeinträchtigen. Einige der Flächen, die Kleinbäuerinnen und Kleinbauern bepflanzt haben, wurden von den Bränden zerstört. Viele Setzlinge und junge Bäume haben das Feuer nicht überlebt. Auch die anhaltende Trockenheit und der Rauch belasten die Nutzpflanzen. Die Folgen sind bereits spürbar: Die Ernten sind gefährdet und damit auch die Einnahmen, von denen die Familien leben.

Wenn Trockenheit Mensch und Natur belastet
Eine Analyse der indonesischen Wetter-, Klima- und Geophysikbehörde (BMKG) vom September 2026 verdeutlicht das Ausmaß der Trockenheit in der Region. In der Region Ost-Barito, in der unser Partner GFI tätig ist, werden Wasserquellen durch die anhaltende Dürre zunehmend knapp. In dem Dorf Saing sind laut lokalen Medienberichten bereits fast 70 Prozent der Wasserbrunnen ausgetrocknet, wodurch der Zugang der Bevölkerung zu Wasser immer schwieriger wird.
Hinzu kommt der extreme Rauch, der sich über weite Gebiete ausbreitet und die Luft stark belastet. Allein in Palangka Raya, der Hauptstadt von Zentralkalimantan, wurden zwischen Anfang Juni und Oktober mehr als 10.000 Fälle von akuten Atemwegsproblemen gemeldet. Die Folgen der extremen Trockenzeit betreffen nicht nur die Natur, auch die Menschen leiden unter den gesundheitlichen Folgen der Brände.
Waldbrände in Zentralkalimantan: Herausforderungen für Kleinbäuerinnen und Kleinbauern
In der Region Ost-Barito sind die Folgen der Waldbrände bereits deutlich spürbar. Die Kakaopflanzen leiden unter der Trockenheit. Sie entwickeln weniger Früchte und kleinere Kakaobohnen. Dadurch können sowohl die Erntemenge als auch die Qualität der Kakaobohnen zurückgehen. Für die Kakaobäuerinnen und -bauern bedeutet dies geringere Erträge und weniger Einnahmen.
“Die Bäume der Kleinbauern trocknen aus, gleichzeitig geht die Kakaoproduktion zurück. Bei der Haupternte Ende des Jahres drohen sogar Ernteausfälle. Statt der üblichen 500 bis 1.000 Kilogramm könnten die Kleinbäuerinnen und Kleinbauern dieses Jahr vielleicht nur 100 bis 300 Kilogramm Kakao verkaufen“, berichtet Hepy aus dem Kakao-Team von GFI, die eng mit den Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in Ost-Barito zusammenarbeitet.

Die aktuellen Entwicklungen zeigen, wie herausfordernd die Wiederherstellung von Wäldern und Landschaften ist: Bäume zu pflanzen ist erst der Anfang. Damit die Bäume überleben und die Lebensgrundlagen der Kleinbäuerinnen und Kleinbauern langfristig gesichert werden, ist kontinuierliche Pflege unerlässlich.
Ebenso wichtig ist es, Kleinbäuerinnen und Kleinbauern dabei zu unterstützen, ihre Ernten und ihr Einkommen auch bei anhaltender Trockenheit bestmöglich zu schützen.
Unterstützung für die Menschen vor Ort während der Waldbrände
Während die Brände weiter andauern, unterstützt GFI die Kleinbäuerinnen und Kleinbauern sowie die lokale Bevölkerung bei der Bewältigung der unmittelbaren Folgen. Dazu verteilt GFI Atemschutzmasken und richtet mit Luftreinigern ausgestattete Räume ein, in denen sich die Feldteams und Betroffene vor dem Rauch schützen können. Gemeinsam mit örtlichen Gesundheitseinrichtungen stellt GFI außerdem Sauerstoff für die Erstversorgung bei Atemproblemen bereit.
Neben der direkten Hilfe spielt auch die Vorbereitung auf weitere Brände eine wichtige Rolle. Wenn es die Situation zulässt, unterstützen die Teams vor Ort die Kleinbäuerinnen und Kleinbauern bei den ersten Maßnahmen zur Brandbekämpfung. Zusätzlich stellen sie einfache Ausrüstung zur Brandbekämpfung bereit und informieren die Gemeinden darüber, wie Brände verhindert werden können und was im Notfall zu tun ist.

Diese Maßnahmen sollen den Menschen vor Ort helfen, ersetzen jedoch nicht die professionelle Feuerwehr oder andere Rettungsdienste. Wenn sich Brände ausbreiten oder zu gefährlich werden, müssen die zuständigen Behörden und Rettungskräfte informiert und einbezogen werden.
Mehr als Bäume pflanzen: Aufforstung ganzheitlich gestalten

Die anhaltende Trockenheit und die Waldbrände in Indonesien zeigen, vor welchen Herausforderungen die Wiederherstellung von Wäldern und Landschaften steht. Auch bei guter Planung und regelmäßiger Pflege sind Bäume nicht vor allen Umweltrisiken geschützt.
Genau deshalb endet unsere Arbeit nicht mit der Pflanzung der Bäume. Wir unterstützen unsere Partner vor Ort dabei, die Kleinbäuerinnen und Kleinbauern langfristig zu begleiten. Durch Beratung und Schulungen lernen sie, ihre Bäume und Nutzpflanzen zu pflegen und ihre Anbauflächen nachhaltig zu bewirtschaften.
Im Agroforst wachsen Bäume und verschiedene Nutzpflanzen auf derselben Fläche. So können Kleinbäuerinnen und Kleinbauern unterschiedliche Produkte anbauen und ihre Einkommensmöglichkeiten erweitern. Zudem wird die Entwicklung der gepflanzten Bäume jährlich erfasst. Dadurch lässt sich transparent nachvollziehen, wie sich die Bäume im Laufe der Zeit entwickeln.
Auch wenn sich nicht alle Risiken vermeiden lassen, tragen diese Maßnahmen dazu bei, Wälder langfristig wiederherzustellen und die Einkommensgrundlagen der Kleinbäuerinnen und Kleinbauern zu stärken.
Die Herausforderungen in Zentralkalimantan sind groß und können nur gemeinsam und nicht von einer Organisation allein bewältigt werden. Es braucht langfristiges Engagement, Zusammenarbeit und das Verständnis, dass die Pflege von Bäumen ein fortlaufender Prozess und keine einmalige Maßnahme ist.
Wir bedanken uns bei allen, die uns auf diesem Weg unterstützen.