Mehr als Bäume pflanzen: Wissen für nachhaltige Agroforstwirtschaft in Zentralkalimantan

17. September 2026|In Indonesien, News

Nachhaltige Agroforstwirtschaft beginnt mit Wissen. In Zentralkalimantan bauen Kleinbäuerinnen und -bauern neben Bäumen auch Nutzpflanzen wie Jengkol, Petai – beides Bäume mit essbaren Samen – und Kakao an. Damit diese Anbausysteme langfristig erfolgreich sind, braucht es jedoch mehr als Setzlinge und Tipps zum Pflanzen. Entscheidend ist praktisches Wissen, das die Menschen vor Ort anwenden, an ihre Bedingungen anpassen und weitergeben können. Deshalb sind kontinuierliche Lernmöglichkeiten sowohl für die Bäuerinnen und Bauern als auch für die Mitarbeitenden vor Ort wichtig. Unser Partner Good Forest Indonesia (GFI) stärkt daher gezielt lokales Wissen und schafft Möglichkeiten, sich kontinuierlich weiterzubilden. 

Wissen teilen und Kompetenzen stärken

Die Mitarbeitenden vor Ort spielen eine wichtige Rolle bei der Begleitung der Kleinbäuerinnen und -bauern. Sie bilden die Schnittstelle zwischen GFI und den Menschen vor Ort. Deshalb ist ihr Fachwissen entscheidend, damit sie die Bäuerinnen und Bauern mit fundierten und praktisch anwendbaren Informationen unterstützen können.

Von Ende April bis Ende Juli führte die GFI verschiedene Schulungen für die Teams vor Ort durch, um ihr Wissen zu vertiefen und sie darauf vorzubereiten, dieses anschließend an die Kleinbäuerinnen und -bauern weiterzugeben. Dazu gehörte eine Schulung zum Anbau von Jengkol und Petai, die von einem Experten der Gadjah Mada University geleitet wurde. Außerdem nahm das Team an einer Schulung zum Kakaoanbau im Rahmen eines Lernbesuchs bei der Mars Cocoa Academy in Süd-Sulawesi teil.

An der Schulung zum Kakaoanbau nahmen neben den Mitarbeitenden von GFI auch ausgewählte Kleinbäuerinnen und Kleinbauern teil.

„Training of Trainers” zum Anbau von Jengkol und Petai

Im Rahmen des „Training of Trainers“ vertieften die Mitarbeitenden vor Ort ihr Wissen über den Anbau und die Bewirtschaftung von Jengkol und Petai. Beide Hülsenfruchtarten stammen ursprünglich aus Südostasien und haben in Indonesien eine hohe wirtschaftliche sowie soziokulturelle Bedeutung. Sie sind beliebte Lebensmittel und erzielen vergleichsweise stabile Marktpreise. Gleichzeitig können sie einen ökologischen Beitrag leisten, indem sie die Bodenfruchtbarkeit unterstützen.

Obwohl Jengkol und Petai weit verbreitet sind, erfolgen Anbau und Ernte bei den Kleinbäuerinnen und -bauern vor Ort bislang größtenteils mit traditionellen Methoden. Einheitliche Standards nach den Grundsätzen der Good Agricultural Practices (GAP) sind bisher noch nicht etabliert.

„Für mich persönlich war diese Schulung nicht nur eine Möglichkeit, mein Wissen über den Anbau von Jengkol und Petai zu erweitern, sondern auch eine wertvolle Vorbereitung darauf, meine Aufgaben als Field Project Officer noch besser wahrnehmen zu können.“
— Ferri Fernando, Field Project Officer bei GFI

Für die Schulung arbeitete die GFI mit Ratih Madya Septiana zusammen, einer Expertin mit fundiertem Fachwissen und praktischer Erfahrung im Anbau von Jengkol und Petai. Neben der Durchführung der Schulung unterstützte Ratih auch die Entwicklung eines strukturierten Lehrplans, der anschließend an die Kleinbäuerinnen und -bauern weitergegeben werden kann.

Schulung zum Kakaoanbau an der Mars Cocoa Academy in Süd-Sulawesi, Indonesien

Ziel der Schulung war es, das Wissen der GFI-Mitarbeitenden vor Ort sowie der Kleinbäuerinnen und -bauern aus Zentralkalimantan im Rahmen eines Lernbesuchs zum Thema Kakao an der Mars Cocoa Academy in Süd-Sulawesi zu vertiefen. Die Mars Cocoa Academy ist ein Schulungszentrum in Indonesien, das Kleinbäuerinnen und -bauern sowie landwirtschaftliche Fachkräfte dabei unterstützt, die Produktivität und Qualität im Kakaoanbau durch technische Schulungen und die Vermittlung unternehmerischer Kenntnisse zu verbessern.

Während der jeweils dreiwöchigen Lernaufenthalte erhielten die Mitarbeitenden vor Ort und die Kleinbäuerinnen und -bauern sowohl theoretisches Wissen als auch praktische Schulungen. Dabei konnten die Teilnehmenden verschiedene Anbaumethoden und Technologien im Kakaoanbau direkt kennenlernen und praktisch ausprobieren. Viele davon waren bisher für Kleinbäuerinnen und -bauern in Zentralkalimantan bisher noch nicht oder nur eingeschränkt zugänglich.

Wissen langfristig wirksam machen

Für uns endet Wissensvermittlung nicht mit dem Abschluss einer Schulung. Entscheidend ist, was danach passiert: wenn das Gelernte angewendet und weitergegeben wird. Die Schulungen helfen den Mitarbeitenden vor Ort dabei, die Kleinbäuerinnen und -bauern noch besser zu unterstützen und nachhaltige Methoden der Agroforstwirtschaft langfristig zu stärken.

„Ich möchte der GFI herzlich dafür danken, dass sie mir die Teilnahme an der Schulung an der MARS Academy ermöglicht haben. Dort konnte ich viel wertvolles Wissen sammeln, das mich motiviert hat, neue Ansätze auf meiner eigenen Farm auszuprobieren. Mein Ziel ist es, meine Landwirtschaft sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich nachhaltig weiterzuentwickeln. Ich bin zuversichtlich, dass ich das Gelernte mit der Begleitung und Unterstützung der GFI in die Praxis umsetzen und damit nicht nur für mich selbst, sondern auch für die Menschen in meinem Umfeld etwas Positives bewirken kann.“
— Prianto, Kakao-Kleinbauer 

Jedes neu gewonnene Wissen, jede weiterentwickelte Fähigkeit und jede gestärkte Kleinbäuerin und jeder gestärkte Kleinbauer trägt zu einem größeren Ziel bei: gesündere Landschaften zu schaffen und Gemeinschaften dabei zu stärken, ihre Umwelt mit dem nötigen Wissen und Vertrauen zu schützen und wiederherzustellen.