Ein ganzheitlicher Ansatz zur Wiederherstellung von Ökosystemen

19. Januar 2021|In News, Indonesien, Uganda

Die Natur war schon immer der empfindlichste aller Spiegel. Sie reflektiert das, was um uns herum geschieht, indem sie Reaktionen auf das zeigt, was Menschen tun. Wenn Sie zum Beispiel so viele Bäume fällen wie Ihnen beliebt, werden Sie überrascht sein, um wie viel schlimmer die Überschwemmung in der Regenzeit ist, wie sehr es die globale Erwärmung anheizt oder wie groß die Auswirkungen auf die Weltwirtschaft sind. Denn auch wenn einige Menschen direkte wirtschaftliche Vorteile erhalten mögen, können diese kurzfristigen Gewinne die negativen langfristigen Verluste – wirtschaftlicher, sozialer und ökologischer Natur – nicht ausgleichen. Die Entwaldung ist also nicht nur für die Menschen schädlich, sondern auch für alle anderen Lebewesen.

Die Entwaldung kann verheerende Auswirkungen auf die biologische Vielfalt haben, da etwa 70% der landlebenden Tiere und Pflanzen in Wäldern zu finden sind. Eines der Tiere, das durch die Entwaldung gefährdet ist, ist der Orang-Utan – eine endemische Primatenart von Borneo und Sumatra. In den letzten 30 Jahren ist die Population der Orang-Utans stetig zurückgegangen. Durch die Rodung und Abholzung von Land wird die Verbindung des Waldes an vielen Stellen unterbrochen. Für Orang-Utans bedeutet das eine starke Fragmentierung ihrer Lebensräume. Außerhalb ihrer Schutzgebiete sind sie otmals nicht sicher. Und auch das Bewusstsein und die Beteiligung der lokalen Bevölkerung sind wegen des mangelnden Wissens über den Schutz der Orang-Utans begrenzt.

Abgesehen davon nehmen die Konflikte zwischen Menschen und Wildtieren wie Orang-Utans jedes Jahr zu. Sie lassen sich nicht vermeiden, da sie eine direkte Folge des Verlustes des Waldes – ihrer Heimat – sind. Konflikte sind unvermeidlich, weil Orang-Utans und Menschen die gleiche Tendenz zur Standortwahl haben. Orang-Utans neigen dazu, Tiefland und fruchtbare Gebiete zu bevorzugen. Der Mensch hat die gleiche Präferenz, da sich diese Art von Standort für den Ölpalmenanbau und Kautschukplantagen eignet. Da es sich nicht vermeiden lässt, stellt sich nun die Frage, ob es möglich ist, eine Umgebung zu schaffen, in der Menschen, Orang-Utans und die anderen Wildnisse glücklich zusammenleben können.

Zusammen mit unseren Partnern, der Borneo Orangutan Survival (BOS) Foundation und BOS Deutschland e.V., die sich seit 29 Jahren für den Schutz der Orang-Utans in Kalimantan einsetzen, haben wir ein Projekt mit zwei Testfeldern gestartet. Ziel ist es, das Einkommen und die Ernteerträge zu verbessern und gleichzeitig über die Forschung für Orang-Utan-Lebensraumkorridore zu informieren. Wir werden bei den Versuchen einen agroforstwirtschaftlichen Ansatz anwenden. Die Feldstandorte, die sich an zwei Orten mit unterschiedlichen Bodentypen befinden, werden mit schnell wachsenden Bäumen bepflanzt, die für die Gemeinschaft wirtschaftlich wertvoll sind, und mit anderen Bäumen kombiniert, die sich sowohl als Unterschlupf als auch als Nahrungsquelle für Orang-Utans eignen.

Diese Tests werden über drei Jahre in den Dörfern Mantuhe und Humbang Raya Village durchgeführt. Wir hoffen, ein System zu finden, das sowohl für Menschen als auch für Orang-Utans von Nutzen ist und so Konflikte reduzieren kann.

Wangari Maathai, eine Umweltaktivistin, die mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, sagte einmal, dass man die Umwelt nicht schützen kann, wenn man die Menschen nicht befähigt, sie nicht informiert und ihnen nicht zu verstehen hilft, dass diese Ressourcen ihre eigenen sind – dass sie sie schützen müssen. Hier beginnen wir also dieses Projekt; im Geiste dieser weisen Worte.

Dieses Projekt wird mit Fördermitteln des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft umgesetzt.