Nachhaltigkeit braucht Transparenz – was die neue EmpCo-Richtlinie verändert

13. August 2026|In News

Wer heute über Nachhaltigkeit spricht, trägt Verantwortung. Nicht nur für das eigene Handeln, sondern auch für die Worte, mit denen darüber gesprochen wird. Begriffe wie „nachhaltig“, „klimaneutral“ oder „umweltfreundlich“ begegnen uns inzwischen überall – doch nicht immer ist klar, was tatsächlich dahintersteckt. 

Denn Nachhaltigkeit ist längst kein Nischenthema mehr. Immer mehr Unternehmen kommunizieren über Klimaschutz, Umweltschutz und soziale Verantwortung. Gleichzeitig fällt es den Verbraucherinnen und Verbrauchern zunehmend schwer einzuschätzen, welche Aussagen tatsächlich belastbar sind.

Je häufiger solche Aussagen verwendet werden, desto wichtiger wird die Frage: Was steckt eigentlich dahinter?
Genau deshalb gewinnt Transparenz zunehmend an Bedeutung. Nicht möglichst große Versprechen schaffen Vertrauen, sondern nachvollziehbare Informationen und eine ehrliche Kommunikation darüber, was erreicht wurde – und was nicht.

Setzlingsverteilung, Kleinbauer unterschreibt den Erhalt der Setzlinge

Genau hier setzt die neue Richtlinie Empowering Consumers for the Green Transition Directive (EmpCo) der Europäischen Union an. Sie verfolgt ein klares Ziel: Umwelt- und Nachhaltigkeitsaussagen sollen nachvollziehbar, überprüfbar und transparent sein. Pauschale Werbeversprechen ohne belastbare Grundlage sollen künftig der Vergangenheit angehören. Damit stärkt die Richtlinie nicht nur den Verbraucherschutz, sondern schafft auch fairere Bedingungen für Unternehmen, die ihre Nachhaltigkeitsleistungen bereits heute transparent kommunizieren. 

Für uns bei Fairventures ist diese Entwicklung deshalb keine Herausforderung, sondern eine Bestätigung dessen, woran wir seit vielen Jahren glauben: Nachhaltigkeit braucht Glaubwürdigkeit. Und Glaubwürdigkeit entsteht dort, wo Aussagen auf belastbaren Daten beruhen und transparent kommuniziert werden.

Was ändert sich konkret?

In den vergangenen Jahren hat Greenwashing stark zugenommen. Studien der Europäischen Kommission zeigen, dass mehr als die Hälfte aller untersuchten Umweltversprechen vage, irreführend oder nicht ausreichend belegt waren. Das schwächt das Vertrauen und benachteiligt Unternehmen, die Umweltversprechen fundiert und nachvollziehbar belegen. Mit der EmpCo-Richtlinie möchte die EU genau dieses Problem lösen und die Regeln für Nachhaltigkeitskommunikation europaweit vereinheitlichen.

Ab dem 27. September 2026 gelten in den EU-Mitgliedstaaten strengere Anforderungen an Umwelt- und Nachhaltigkeitsaussagen. Allgemeine Umwelt- und Nachhaltigkeitsaussagen, wie „umweltfreundlich“, „klimafreundlich“ oder „nachhaltig“ dürfen künftig nicht mehr ohne konkrete Erläuterung oder anerkannte Nachweise verwendet werden.  Im Mittelpunkt steht dabei immer derselbe Grundsatz:

Wer Nachhaltigkeit kommuniziert, muss sie nachvollziehbar belegen können.

Auch Aussagen über zukünftige Umweltziele müssen durch realistische Transformationspläne mit messbaren Zwischenzielen und unabhängiger Überprüfung belegt werden. Gleichzeitig werden Anforderungen an Nachhaltigkeitssiegel deutlich verschärft, sie müssen bestimmten Anforderungen entsprechen und auf nachvollziehbaren Zertifizierungssystemen beruhen. 

Die EmpCo-Richtlinie soll Unternehmen nicht davon abhalten, über Nachhaltigkeit zu sprechen. Im Gegenteil: Sie schafft einen klaren Rahmen für glaubwürdige Nachhaltigkeitskommunikation und fordert mehr Transparenz, Präzision und Verantwortung.

Warum wir diese Entwicklung begrüßen

Für Fairventures bedeutet das keinen grundlegenden Kurswechsel. Viele der Anforderungen, die die EmpCo-Richtlinie künftig stellt, gehören für uns bereits seit Langem zum Selbstverständnis unserer Kommunikation. Wir verzichten bewusst auf pauschale Umweltversprechen und versuchen stattdessen, unsere Arbeit möglichst konkret und nachvollziehbar darzustellen. Wir erklären, wie unsere Agroforstsysteme funktionieren, welche Rolle Kleinbäuerinnen und -bauern dabei spielen und wie sich ökologische und soziale Wirkung gegenseitig ergänzen.

Bereits heute unterstützen wir Unternehmen dabei, ihr Engagement für Wälder und Klima transparent und nachvollziehbar zu kommunizieren. Wir stellen belastbare Wirkungsdaten bereit, entwickeln gemeinsam verständliche Formulierungen und Kommunikationsmaterialien und zeigen auf, wie sich ökologische und soziale Wirkung glaubwürdig erklären lässt. So entsteht Nachhaltigkeitskommunikation, die Vertrauen schafft und den Anforderungen der EmpCo-Richtlinie gerecht wird.

Transparenz ist ein zentraler Bestandteil unserer Arbeit. Denn: nicht jeder gepflanzte Setzling entwickelt sich automatisch zu einem gesunden Baum. Deshalb dokumentieren wir nicht nur, dass Bäume gepflanzt werden, sondern auch, wie sie wachsen. Mit unserem Single-Tree-Monitoring über die TREEO-App werden nicht nur die Pflanzungen dokumentiert, sondern auch wie sich die Bäume in den nächsten Jahren entwickeln.

Wir tracken jeden Baum, der seit 2022 gepflanzt wurde

Die gesammelten Daten ermöglichen uns, auszuarbeiten, wo welche Baumarten am besten wachsen. Damit konnten wir z.B. die Überlebensrate in Uganda mittlerweile auf über 80 Prozent steigern und schaffen belastbare Daten statt vereinfachter Erfolgsversprechen. 

Ergänzend veröffentlichen wir jährlich Wirkungsberichte, erläutern unsere Methoden und sprechen auch offen über Herausforderungen. Wirkung ist selten einfach – und genau deshalb sollte sie auch nicht vereinfacht kommuniziert werden.

Wir sind überzeugt: Gute Wälder sind Klimalösungen. 

Verantwortungsvolle Aufforstung bedeutet weit mehr als das Pflanzen von Bäumen. Sie braucht langfristige Zusammenarbeit mit Kleinbäuerinnen und -bauern, wissenschaftlich fundierte Methoden und transparente Wirkungsmessung. Genau dafür möchten wir uns auch in Zukunft einsetzen.

Denn echter Klimaschutz braucht nicht nur wirksame Maßnahmen, sondern auch eine Sprache, die dieser Wirkung gerecht wird.