Zentral Kalimantan, Indonesien

Biodiverse und skalierbare Wiederaufforstung

Hintergrund

Das Projekt Biodiverse und skalierbare Wiederaufforstung in Zentral Kalimantan, Indonesien wird durch Brot für die Welt unterstützt und durch Fairventures Worldwide unter deren Programm 1mTrees umgesetzt.

Das Ziel des 1mTrees Programms ist es, Waldlandschaften wiederherzustellen und gleichzeitig neue Einkommensquellen für die lokale Bevölkerung zu entwickeln. Schnellwachsende Leichtholzbaumarten, wie beispielsweise Sengon (Paraserianthes falcataria) und andere heimische Arten, werden als Vorwald gepflanzt um zunächst die Bodenfruchtbarkeit und die Produktivität der Fläche wiederherzustellen. Bisher nehmen 740 Kleinbauern an dem Programm teil und pflanzen die Bäume auf ihren degradierten und unproduktiven Böden. Das enorm ansteigende Interesse der lokalen Gemeinden an diesem Programm ist eine erfreuliche Entwicklung, birgt aber doch auch einige Herausforderungen.

Um den Ansatz der artenreichen Wiederaufforstung zu skalieren arbeitet ein internationales Team an den drei Themen

  1. Entwicklung einer digitalen Infrastruktur zur Aufnahme, Analyse, Speicherung und Bereitstellung von Daten
  2. Konzepte für erhöhte Artenvielfalt von Flora und Fauna
  3. Bildung für Wiederaufforstung mit lokalen Universitäten und für die Öffentlichkeit

Zwei zentrale Komponenten in der Entwicklung von nachhaltigen Landnutzungsmodellen sind Measuring und Monitoring (zu deutsch etwa Vermessen und Überwachen), was eine Voraussetzung darstellt für dynamisches Lernen und stetige Verbesserung. Das Konzept von Fairventures Worldwide ist der sogenannte Wertschöpfungsketten- Ansatz. So können die Anforderungen aller Akteure entlang der Wertschöpfungskette berücksichtigt und zufriedengestellt werden. Die verantwortungsbewusste Aufnahme von Daten auf den Wiederaufforstungsflächen trägt dazu bei, dass eine solide Datenbasis aufgebaut wird, welche wiederum den jeweiligen beteiligten Gruppen zugänglich gemacht werden.

Fairventures Worldwide entwickelt daher eine digitale Infrastruktur, um eine effiziente Aufnahme, Speicherung, Analyse und Verteilung der Daten sicherzustellen. Um eine hohe Datenqualität sicherzustellen, soll jeder einzelne Baum jährlich vermessen werden. Der Kleinbauer oder die Kleinbäuerin wird für die Aufnahme der Daten auf dem eigenen Feld verantwortlich sein, um den Bezug zum Land weiter zu stärken.

Technologische Fortschritte in den Feldern optische Sensoren, Fernerkundung, kabellose Datenübertragung und weitere werden zukünftig genutzt, um das Datenmanagement zu optimieren, die Effizienz zu maximieren und Kosten zu minimieren. Felddaten wie Baumhöhe und Durchmesser werden in eine zentrale Onlinedatenbank geladen, wo das Holzvolumen dann automatisch berechnet wird basierend auf artspezifischen Wachstumskurven. Die Kopplung mit aktuellen Marktpreisen ermöglicht den Kleinbäuerinnen und Kleinbauern einen fairen Marktzugang und eine bessere Verhandlungsbasis. In der Art wie die Daten in das zentrale System integriert sind, können Holzernteunternehmen und Spedition automatisch über Erntepläne informiert werden, sowie die verarbeitende Industrie über zu erwartende Holzvolumina und weitere Details. Schließlich wird der Konsument, also der Käufer des Endprodukts, einen QR Code scannen und so umfassende Informationen über den Weg des Produkts erhalten.

Auf diese Weise wird eine klare Rückverfolgbarkeit durch 100 prozentige Transparenz gewährleistet, was zu abholzungsfreien Wertschöpfungsketten führt und hilft, weitere Sozial- und Umweltstandards sicherzustellen.

Eine breite Artenvielfalt ist die Grundlage für das Leben auf der Erde. Daher sollten nicht-nachhaltige Landnutzungsformen in großen Monokulturen vermieden werden. Nicht nur aus ethischen Gründen und aufgrund der Verantwortung des Menschen gegenüber anderen Lebewesen, sondern auch, um die Bereitstellung sämtlicher Ökosystemleistungen zu bewahren, ist das Ziel, eine möglichst hohe Vielfalt von Pflanzen und Tieren zu sichern.

In Testfeldern auf unterschiedlichen Standorten innerhalb des Projektgebietes untersucht Fairventures Worldwide verschiedene Pflanzkombinationen im Hinblick auf die Bedarfe der Lokalbevölkerung und der ökologischen Möglichkeiten. In Agroforstsystemen werden nun fünf schnellwachsende heimische Baumarten in Kombination mit Tigernüssen und anderen Feldfrüchten gepflanzt. Das Team führt regelmäßige Messungen des Baumwachstums und der Erntemengen durch, um das optimale Pflanzdesign zu ermitteln.

Außerdem wird ein umfassendes Wildtier- Monitoring in den übrigen Waldstücken und Kautschukplantagen, auf degradierten und neu aufgeforsteten Flächen durchgeführt. Dafür werden Kamerafallen verwendet und andere wissenschaftliche Methoden. Bisher wurden kleine Rehe (Muntjaks) gesehen, die sich an den jungen Bäumchen gütlich getan haben. Es ist schön, diese Tiere noch vorzufinden, der Schaden an den Pflanzungen ist jedoch etwas bedenklich.

Neuartige Entwicklungen, wie die Verstädterung, tragen zu einem Bruch zwischen Menschen und deren Umwelt bei. Um jedoch viele der heutigen Umweltprobleme zu lösen, und Konsumenten zu sensibilisieren, wo ihre Produkte eigentlich herkommen, ist es wichtig, Umweltbildung in Schulen und für die Öffentlichkeit durchzuführen. Fairventures Worldwide will eine zentrale Rolle einnehmen in der Bereitstellung von Informationen über Landnutzungsfragen für die Menschen in Zentral Kalimantan.

Daher hat Fairventures Worldwide nun Kooperationen mit den lokalen Universitäten UPR und UNKRIP, sowie mit der Borneo Orangutan Survival Foundation (BOSF) formalisiert. In gemeinsamen Aktivitäten werden Demonstrationsfelder in der Nähe der Provinzhauptstadt Palangkaraya angelegt, um Fairventures innovative Lösungen für degradierte Flächen zu zeigen. Außerdem werden Trainingsmodule entwickelt und Forschungsmöglichkeiten für lokale und internationale Studenten angeboten.

Projektlaufzeit

06/2017-05/2020

Gesamtprojektvolumen

1.180.000,-€

Projektpartner

Yayasan Borneo Institute
Borneo Orangutan Survival Foundation
Universität Palangkaraya
UNKRIP
Permakultur Kalimantan Foundation

Förderer des Projektes