„Jede geeignete Fläche weltweit aufforsten“

Forstingenieur aus Baden-Württemberg sieht „1 Million Trees“-Programm von Fairventures in Indonesien als beispielhaft.

Sein Beruf ist für ihn Ausdruck einer Lebenseinstellung. Das zeigt der Förster auch gern. „Ich bin oft mit Hut und Hund im Wald unterwegs“, lacht Harald Wetzel. Für den 58-Jährigen ist der Wald der Inbegriff und Ursprung von Nachhaltigkeit. Man könne auf dem Weg zur Bioökonomie nur so viel entnehmen, wie nachwächst, sagt der Experte. Eines ist für ihn klar: Um den Klimawandel zu stoppen, müsse rasch jede geeignete freie Fläche auf der Welt aufgeforstet werden. Holz ist für ihn der beste und vielseitigste nachwachsende Rohstoff. Deshalb sei der Blick über den Tellerrand nötig. Den hatte Wetzel nun in Indonesien beim Besuch des Wiederaufforstungsprojekts der in Stuttgart ansässigen Organisation Fairventures Worldwide.

Schon der Slogan „1 Million Trees“ für das Programm auf der Insel Borneo hat ihn angesprochen und was er im Aufforstungsgebiet gesehen hat, hat ihn überzeugt. Die Bauern vor Ort pflanzen auf ihren Flächen schnellwachsende Sengonbäume an, die ihnen und ihrer Familie in 5-6 Jahren ein verlässliches Einkommen bringen. Zudem können sie auf den Flächen sofort vielerlei Gemüse zur Selbstversorgung, Gewürze oder Erdnüsse für den Verkauf anbauen.

All das ermöglicht es den Bewohnern von Zentralkalimantan, unabhängig zu werden vom Palmölanbau, der sich mit Monokulturen in die Landschaft frisst und zum vollständigen Kahlschlag beiträgt. Denn die Böden auf den riesigen Plantagen, die ganze Landstriche einnehmen, laugen wegen des immensen Bedarfs an Wasser und chemischem Dünger zunehmend aus. Bisher gab es für die Landbewohner kaum Alternativen, als sich auf den Plantagen zu verdingen oder beim Goldabbau, wo die Böden zusätzlich zerstört werden.

Wetzel findet den Ansatz von Fairventures zukunftsweisend, nicht nur die verbliebenen Urwälder zu schützen, sondern vor allem auch die abgeholzten und damit degradierten Flächen wieder aufzuforsten. Durch die nachhaltige Waldbewirtschaftung und Verarbeitung der Hölzer in Indonesien werden zahlreiche Arbeitsplätze geschaffen. „Wir müssen so viel Fläche wie möglich zu Wald machen“, sagt er. Durch die Aufforstung entstehen neue Einkommensquellen, eine ganze Wertschöpfungskette entlang des Rohstoffes Holz kann sich entwickeln.

Es freut ihn besonders, dass Fairventures nun auch internationale Anerkennung für diese Arbeit erfährt. Beim Klimagipfel in Bonn wurde die Stuttgarter Organisation beim Solution Search Wettbewerb „Farming for Biodiversity“ mit dem Preis in der Kategorie „Social/Community Impact“ ausgezeichnet. Die Juroren sprachen dem Ansatz des „1 Million Trees“-Programms zur Wiederaufforstung auf Borneo unter 338 eingereichten Projekten den höchsten Nutzen und Mehrwert für die indigenen Gemeinden in Zentralkalimantan (Borneo) zu.

In Stuttgart treibt Harald Wetzel den innovativen Holzbau voran. Bei dem im baden-württembergischen Landwirtschaftsministerium angesiedelten „Landesbetrieb Forst Baden-Württemberg“ ist der Forstingenieur in Sachen innovativer Holznutzung tätig, bei der Clusterinitiative Forst & Holz sowie als Geschäftsführer des Landesbeirats Holz e.V. Selbst Städte können durch einen modernen Holzbau zu großen CO2-Speichern werden, betont er. Aber die Nutzung von Holz geht für ihn noch viel weiter. Auch die aufgeschlossenen Holzfasern würden ein „gigantisches Potenzial“ bieten, betont Wetzel. Hier schlummert durch das rasche Wachstum der indonesischen Baumarten wie Sengon großes Potential für die Zukunft der Region.

Bei der Holznutzung ist Baden-Württemberg nach Ansicht von Wetzel inzwischen ein Vorbild. Es geht um Visionäres, sagt der Forstingenieur. „Alles, was wir bislang aus endlichen Ressourcen herstellen, können wir in Zukunft auch auf der Basis von Holz herstellen“, sagt er. Und inzwischen seien Hochhäuser aus Holz nur ein erster Schritt.

Wetzel selbst war als Förster immer auch kreativ. Er gehört zu den Gründern des „Haus des Waldes“ in Stuttgart, einem modernen Zentrum der Bildungsarbeit, das er zwölf Jahre leitete. Dann wechselte er zu ForstBW in die Öffentlichkeitsarbeit, bevor er ins Ministerium für Ländlichen Raum kam. Seinen Besuch in Indonesien sieht er als Rückkehr zu forstlichen Wurzeln. Eigentlich wollte er bereits nach dem Studium in die Entwicklungsarbeit gehen, aber wegen der Familie ist er gerne im Land geblieben. Persönlich will sich der Stuttgarter auf internationalem Feld mit Fairventures in Sachen Wiederaufforstung weiter engagieren. „Denn ich kenne kein Entwicklungsprojekt, das so erfolgreich die meisten der 17 SDGs (sustainable development goals) positiv beeinflusst, wie das 1 Million-Trees-Programm“, so der Förster.

Autor: Rainer Lang (Gesellschafter, Fairventures Worldwide)

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